• © Elmer de Haas
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Die Galerie der Klassischen Moderne der Stiftung Rolf und Bettina Horn auf Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein

Meister des deutschen Expressionismus kehren im Juli 2026 auf die Schleswiger Museumsinsel zurück


Zwei Jahre lang ist die Sammlung Horn auf internationaler Ausstellungstournee gewesen. Ihre auf der Schleswiger Museumsinsel gelegenen Ausstellungsräume wurden umfassend modernisiert. Gleichzeitig erarbeitete das Kuratorenteam, Dr. Uta Kuhl und Dr. Ingo Borges, ein neues Ausstellungskonzept. 

Am 2. Juli 2026 ist es soweit, die Meister des deutschen Expressionismus kehren auf die Museumsinsel zurück und eine neu gestaltete Galerie der Moderne öffnet ihre Tore für das Publikum. Die Besuchenden erwartet inmitten von leuchtenden Farben und modernster Lichttechnik eine komplett veränderte Hängung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts mit 350 Werken auf 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.
Im Mittelpunkt der neuen Galerie der Moderne stehen weiterhin die Bilder der Sammlung Rolf und Bettina Horn. Neben den Künstlern der „Brücke“ zählen dazu die Schleswig-Holsteiner Emil Nolde, Ernst Barlach und Christian Rohlfs. Künftig treten diese Werke aber in einen belebenden Dialog mit der bemerkenswerten Museumssammlung, denn die neue Präsentation folgt künftig einer durchgehenden Chronologie.

Den fulminanten Auftakt geben frühe Gemälde von Alexej von Jawlensky – in ihnen manifestiert sich ein neues Menschenbild. Ebenso aufregend: das Frühwerk von Emil Nolde. Er verbrachte die Winter in Berlin, wo er Varietés, Kabaretts, Theater besuchte und das turbulente Leben der Metropole malte. Seine Bilder der Großstadt stehen im Gegensatz zu seinen Landschaften – und ebenso zu den frühen Werken der „Brücke“-Künstler Ernst Ludwig Kirchner oder Erich Heckel, die in Schleswig-Holstein Orte des Rückzugs fanden. So erlebte Kirchner in den Sommermonaten von 1912 bis 1914 auf Fehmarn geradezu einen Schaffensrausch.

Immer wieder verweist die Kunst des 20. Jahrhunderts mit ihren Brüchen und Kontinuitäten auf die deutsche Geschichte. Der Erste Weltkrieg prägte das Schaffen von Ernst Barlach sowie Käthe Kollwitz und ihr pazifistisches Engagement. Die NS-Diktatur und der Zweite Weltkrieg bedrohte zahlreiche Künstler und trieb sie ins Exil. Farbig und hoffnungsfroh präsentiert sich dagegen die Kunst der 1950er-Jahre bis in die Gegenwart, ob abstrakt oder gegenständlich, von der Gruppe ZEBRA bis zu Klaus Fußmann oder Rainer Fetting.

Bettina Horn hat die Neueröffnung der Galerie der Moderne auf Schloss Gottorf zum Anlass genommen, die bedeutende Sammlung Horn mit expressionistischen Werken dem Land Schleswig Holstein zu schenken. Ihren Entschluss verkündete die Sammlerin am 4. Juni 2026 bei einem Besuch des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) auf der Museumsinsel in Schleswig.

Der NDR hat die Vorbesichtung der Ausstellung begleitet.

»Expressionismus!« 2023/ 2024 Ausstellungstournee der Sammlung Horn in der Schweiz und in Deutschland


Dritte Station der Ausstellungstournee

»It's all about collecting …«
Expressionismus | Museum | Kolonialismus
Die Sammlung Horn zu Gast in Halle (Saale)
17.03.2024 — 23.06.2024

Die Sammlung Horn aus Schleswig war bis Ende Juni 2024 mit gut 100 expressionis­tischen Gemälden, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken und einigen Werken aus Afrika und Ozeanien, wie sie den Expressionisten in Deutschland als Inspiration dienten, zu Gast im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale).
Aus diesem Anlass wurde auch zwei Konvolute  thematisiert, die in den 1890er Jahren ins Kunstmuseum Moritzburg kamen: die Melanesien-Sammlung* von Franz Emil Hellwig und die Asien-„Sammlung“* Emil Riebecks. Beide sind heute nur noch rudimentär vorhanden und wurden erstmals in einem Ausstellungsprojekt auf der Basis aktueller Forschungen präsentiert.
Neben einzigartigen Kunstwerken thematisierte die Ausstellung Fragen nach dem Umgang westlicher Museen mit Werken, die ihren Weg nach Europa der kolonialen Vergangenheit des Kontinents verdanken, und nach dem Verhältnis zwischen Expressionismus und Kolonialismus. Sie verstand sich als Einladung, über die koloniale Vergangenheit Deutschlands und den heutigen Umgang damit sowie die Rolle der Kunst der Klassischen Moderne in diesem Zusammenhang kritisch nachzudenken.


Bildrechte: Stiftung Rolf und Bettina Horn © bei den Künstlerinnen und Künstlern bzw. deren Rechtsnachfolgern © VG Bild-Kunst, Bonn 2024 © Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde 

Zweite Station der Ausstellungstournee

Expressionismus hier und jetzt!
Die Sammlung Horn zu Gast in Dortmund
Museum Ostwall im Dortmunder U zeigt bedeutende Werke des Expressionismus im Dialog mit zeitgenössischen Arbeiten
28.10.2023 — 18.02.2024

Mit mehr als 120 zentralen Werken des Expressionismus, darunter Arbei­ten von Alexej von Jawlensky, Käthe Kollwitz, der Künstlervereinigung Brücke und Christian Rohlfs, war die renommierte Sammlung Bettina und Rolf Horn vom 28. Oktober 2023 bis 18. Februar 2024 erstmals in Dortmund zu sehen.
Im Museum Ostwall traten eigene Sammlungsbestände und zeitgenössische Arbeiten, ergänzt um Werke des Kirchner Museums Davos sowie Foto- und Archivmaterial, in einen Dialog mit der Sammlung Horn. Im Fokus stand dabei eine zeitgeschichtliche Betrachtung aus heutigem Blickwinkel, wobei das Verhältnis zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus einer dekolonialen Perspektive hinterfragt wird. Mit Arbeiten von Anguezomo Mba Bikoro, Lisa Hilli, Natasha A. Kelly, Moses März und Luiza Prado präsentierte die Dortmunder Ausstellung aktuelle Sichtweisen auf den „Expressionismus hier und jetzt!“, ließ Dortmunder Bürgerinnen und Bürger und Initiativen in Videointerviews zu Wort kommen und lud die Besucherinnen und Besucher ein, ausgewählte Werke im Kontext von Schwarzer deutscher Geschichte und Themen wie Industrialisierung, technischem Fortschritt, Krieg und Natur zu erleben.


Erste Station der Ausstellungstournee

EXPRESSIONISMUS!
Werke aus der Sammlung Horn
Kirchner Museum Davos
12.02.2023 — 24.09.2023

Mit «Expressionismus! Werke aus der Sammlung Horn» eröffnete das Kirchner Museum Davos im Februar 2023 eine mehrjährige internationale Ausstellungstournee der Sammlung Horn, die anschliessend im Museum Ostwall im Dortmunder U und dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) weitergeführt wurde.
Die Ausstellung präsentierte über 180 Werke von Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Alexej von Jawlensky und Max Pechstein. Die Sammlung Horn, die das Herzstück der Präsentation darstellte, wurde innerhalb sechs Jahrzehnte durch das Sammlerpaar Rolf und Bettina Horn als eine der bedeutendsten deutschen Sammlungen des Expressionismus zusammengetragen. Erstmalig war die Sammlung nun mit mehr als 120 Werken in der Schweiz zu sehen. Im Zusammenspiel mit der Sammlung des Kirchner Museums entstand ein einzigartiger Blick auf das Schaffen der «Brücke»-Maler und anderer expressionistischer Künstler:innen.
Kaum eine Stilrichtung verkörperte den Aufbruch der Moderne in Europa besser als der Expressionismus. Dieser verstand sich zur Jahrhundertwende als Gegenentwurf zu konservativer Bürgerlichkeit und akademischer Malerei und forderte nicht weniger als eine neue Auslegung der Kunst. Statt eine künstliche Ästhetik im Atelier zu reproduzieren, suchten die Expressionist:innen Landschaften und Figuren als Ausdruck einer inneren Gefühlswelt. Die Loslösung der Farbe von der realen Umwelt und der unmittelbare Ausdruck wurden zum höchsten künstlerischen Gut.
Anhand von farbgewaltigen Werken der Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Otto Mueller beleuchtete die Ausstellung Motive und Motivationen sowie Themen und Techniken des Expressionismus. Arbeiten von Käthe Kollwitz, Alexej von Jawlensky und Ernst Barlach ermöglichten einen Ausblick auf das expressionistische Kunstwirken der Zeit, das unser Kunstverständnis bis heute prägt.
Spezielles Augenmerk warf die Ausstellung auf die gesellschaftskritischen Züge des Expressionismus. Seine Werke spiegelten eine Zeit intensiver sozialer und ästhetischer Veränderungen wider. Neben den Geschehnissen und Folgen des Ersten Weltkriegs zählten dazu auch der Fokus auf Verstädterung und Industrialisierung, eine radikale Neuinterpretation von Akt und Natur sowie eine Beschäftigung mit außereuropäischen Welten. Gleichzeitig befragte die Ausstellung grundlegende Spannungen und Widersprüche in der Weltsicht der Expressionisten. Ihre Themen, Haltungen und Sehnsüchte wurden in Beziehung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Dringlichkeiten gesetzt, um Fragen der exotisierenden Darstellung von Geschlecht, kolonialen «Anderen» und des bäuerlichen Lebens nachzugehen. Für diese gesellschaftliche Perspektive wurden Kadiatou Diallo, Rohit Jain und Katharina Morawek als kuratorisches Begleitkomitee eingeladen.

Erste Station der Ausstellungstournee Kirchner Museum Davos